Auf 435 Metern über dem Meer klebt Casares am Berghang: das weiße Dorf, das du auf jeder Andalusien-Postkarte schon mal gesehen hast. Wer Casares in Andalusien sucht, landet bei genau diesem Bild: weiß gekalkte Häuser, die sich den Hang hinabstaffeln, oben gekrönt von einer maurischen Burg aus dem 13. Jahrhundert. Von dort oben reicht der Blick über zwei Provinzen, Málaga und Cádiz, bis Gibraltar und an klaren Tagen bis zur afrikanischen Küste. Der spanische Begriff pueblo blanco, weißes Dorf, trifft es kaum. Es ist eher ein Stück Geschichte, in dem heute noch gewohnt wird.
Das Beste daran ist die Nähe. Von unserem Apartment am Strand kannst du auf die Berge zeigen, hinter denen Casares liegt. 15 Minuten mit dem Auto. Und trotzdem fühlt es sich an wie eine andere Welt: morgens Espresso am Meer, mittags durch mittelalterliche Kopfsteinpflastergassen: gleiches Licht, andere Jahrhunderte.
Was Casares von anderen weißen Dörfern unterscheidet
Casares ist keine Kulisse für Reisebusse. Es ist ein lebendiges andalusisches Dorf, in dem spanische Familien noch Urlaub machen und die Einheimischen um elf Uhr morgens ihren café con leche an der Bar trinken. Der Tag richtet sich hier nach dem Appetit, nicht nach Öffnungszeiten.
Die Wirkung des Ortes kommt aus seiner Lage. Schmale, steile Gassen winden sich zwischen Häusern, die so eng stehen, dass man sich über die Straße hinweg etwas reichen könnte. Weiße Mauern, Geranientöpfe an jeder Tür, an jedem Fenster. Am späten Nachmittag, wenn die tiefe Sonne alles in Gold taucht, ist das ein Anblick, für den sich die Fahrt allein schon lohnt.
Was Casares heraushebt, ist die Burg. Über den meisten pueblos blancos thront eine Kirche. Über Casares thront eine Festung. Das verrät den Ursprung: Dieser Ort wurde als Bollwerk gebaut, nicht als hübsches Dorf, das zufällig so wurde. Wer durch die Gassen läuft, läuft durch Jahrhunderte Grenzgeschichte; Casares lag lange am Rand des maurischen Königreichs Granada.
Anreise nach Casares von Sabinillas
Von unserem Apartment bis Casares fährst du etwa 15 bis 20 Minuten. So findest du hin:
Aus Sabinillas geht es auf der A-7 Richtung Osten, also Richtung Estepona. Bei Km 147, beim Wahrzeichen Torre de la Sal, biegst du ins Landesinnere ab (ab hier ist Casares ausgeschildert). Die Straße steigt rund 15 Kilometer bergauf. Erst Küstenbebauung, dann Felder und Olivenhaine, zuletzt offenes Bergland. Die letzte Auffahrt ins Dorf ist steil, aber gut in Schuss.
Parkplätze direkt am pueblo sind knapp. Das ist kein Versäumnis, sondern Bauweise aus einer Zeit lange vor dem Auto. Auf der Westseite gibt es ein Besucherzentrum mit Parkplatz, und meist kannst du auch kostenlos an der Hauptstraße oberhalb des Dorfes stehen und von dort hinunter in die Gassen und hinauf zur zentralen Plaza de España laufen.
Gut zu wissen: Komm vor 11 Uhr oder nach 15:30 Uhr, wenn du nah am Dorf parken willst. Viele Einheimische fahren früh hoch, frühstücken in Ruhe in einer Dorfbar und schlendern erst dann los. Zwischen 12 und 15 Uhr füllt sich der Parkplatz mit spanischen Familien, die zum Mittagessen kommen.
Du fährst lieber nicht selbst? Die Buslinie Avanza L-77 fährt von der Küste (u. a. Estepona, Sabinillas, Manilva) hinauf nach Casares, aber nur dienstags bis samstags, etwa zweimal täglich, Fahrpreis 2,52 €; sonntags und montags fährt kein Bus. Prüfe die aktuellen Zeiten in der App Avanza Málaga. Alternativ ist ein Mietwagen ab Estepona unkompliziert. Bei Bedarf verweisen wir dich an eine zuverlässige Vermietung.
Die maurische Burg: kostenlose Panoramablicke
Ganz oben über Casares steht das Castillo de Casares, eine maurische Festung aus dem 13. Jahrhundert, ursprünglich Wachposten des Königreichs Granada. Viel steht nicht mehr: keine intakten Türme, keine eingerichteten Säle. Geblieben ist das, worauf es ankommt: die Aussicht.
Der Eintritt kostet nichts, die Burg ist rund um die Uhr offen. Von den Mauern und den höchsten Punkten siehst du an einem klaren Tag:
- das ganze Dorf, das sich wie eine Landkarte unter dir ausbreitet
- die Täler und Hügel, die sich landeinwärts Richtung Ronda ziehen
- die Küstenebene bis hinunter nach Gibraltar
- an besonders klaren Tagen sogar die Küste Afrikas
Keine Führung, keine Infotafeln, kein Café. Nur du, die Ruine und der Blick. Der Aufstieg vom Dorf dauert je nach Tempo 10 bis 15 Minuten und ist steil. Nimm Wasser mit.
Am schönsten ist die Burg am späten Nachmittag, wenn das Licht warm wird und die Hitze nachlässt. Die meisten Besucher kommen gegen 17 bis 18 Uhr. Morgens hast du sie oft ganz für dich.
Sehenswürdigkeiten jenseits der Burg
Die größte Attraktion ist das Dorf selbst. Neben dem Bummeln durch die verwinkelten Gassen lohnen ein paar feste Punkte:
Die Plaza de España ist das Herz von Casares: ein kleiner Platz mit ein paar Bars, der Kirche und genau dem Gemeinschaftsgefühl, das den Ort so echt macht. Setz dich mit einem café con leche hin und schau einfach zu. Hier spielt das andalusische Dorfleben.
Die Pfarrkirche San Sebastián verankert den Platz; in ihr steht das Bildnis der Dorfpatronin Nuestra Señora del Rosario del Campo. Ein kurzer Blick hinein lohnt sich: schlicht, traditionell, würdevoll.
In der Calle Carrera 51 steht das Geburtshaus von Blas Infante, dem „Vater Andalusiens". Der Denker und Politiker kam hier am 5. Juli 1885 zur Welt. Heute sitzt im Haus das Fremdenverkehrsamt, dazu eine Dauerausstellung über sein Leben und sein politisches Erbe. Interessierst du dich für andalusische Geschichte, sind die 20 Minuten gut investiert. Wenn nicht, reicht ein Foto von der Gasse.
Der eigentliche Reiz liegt zwischen diesen Punkten, in den schmalen Gassen. Verlauf dich mit Absicht. Kehr in eine Bar ein. Probier einen Wein aus der Gegend. Casares belohnt das Treibenlassen.
Wo man in Casares essen kann
In Casares gibt es kaum Touristenrestaurants. Das liegt zum einen daran, dass das Dorf klein und abgelegen ist, zum anderen daran, dass Einheimische und Stammgäste Qualität über Quantität stellen. Kommst du aus Sabinillas, passt dazu auch unser Leitfaden zu den besten Restaurants in Sabinillas, gleiche Idee: bodenständiges lokales Essen zu fairen Preisen.
Das Restaurante Sarmiento (Brasa Andaluza), wenige Meter unterhalb des historischen Ortskerns, gehört zu den besten Adressen rund um Casares und setzt auf andalusische Küche vom offenen Grill. Das gegrillte Fleisch ist die Stärke des Hauses: gut gereifte Stücke, auf den Punkt gegart. Es ist nicht billig, aber für einen besonderen Abend eines unserer Lieblingslokale. Rechne mit etwa 30 bis 50 € pro Person für ein üppiges Essen mit Wein. Reservier vorher, vor allem am Wochenende.
Unten an der Casares Costa, also am Strand statt im pueblo, kocht das Chiringuito La Sal mediterran und mit viel Fisch und Meeresfrüchten, dazu eine Terrasse mit Meerblick. Die Hauptgerichte liegen bei 18 bis 28 €, ein guter Stopp auf dem Rückweg.
Die Venta La Choza, unten an der Küstenstraße N-340 bei der Abzweigung nach Casares (wenige Minuten von Sabinillas), steht für traditionelle spanische Küche mit erkennbarer Sorgfalt. Nicht schick, dafür bodenständig und gut. Hier essen oft die Einheimischen, und 15 bis 30 € pro Person reichen.
Die meisten Lokale schließen zwischen 16 und 20 Uhr zur siesta. Abendessen gibt es ab etwa 20 Uhr bis 23 Uhr oder länger, Mittagessen üblicherweise von 13 bis 16 Uhr. Plan deinen Besuch danach, sonst stehst du vor verschlossenen Türen.
Baños de la Hedionda: antike römische Schwefelbäder
Das ist der Grund, ins Landesinnere zu fahren, falls dich das Dorf allein noch nicht überzeugt. Die Baños de la Hedionda sind natürliche heiße Quellen mit schwefel- und eisenhaltigem Wasser, in Gebrauch schon seit der Römerzeit. Zur Anlage gehören echte römische Badebauten, über 2.000 Jahre alt. Der Name ist übrigens Programm: hedionda heißt „stinkend", und der Schwefel riecht streng. Buchungsdetails, wie der Zugang zu Fuß abläuft und die beste Tageszeit findest du in unserem ausführlichen Guide zu den Baños de la Hedionda.
Die Geschichte
Der Überlieferung nach kam Julius Cäsar während seiner Statthalterschaft in Südspanien (61 bis 60 v. Chr.) hierher, um eine Hautinfektion auszukurieren. Ob das nun stimmt oder Legende ist: Es zeigt, wie hoch diese Bäder über Jahrhunderte im Kurs standen.
Zugang & Lage
Die Bäder liegen formal auf Casares' Gemeindegebiet, erreichst du sie aber von Sabinillas oder Manilva aus. Von der A-7 bei Sabinillas hältst du nach der Ausfahrt beim Lidl oder der alten „Grand Bar" knapp westlich von Sabinillas Ausschau und folgst den Schildern zum Camino de los Baños. Das letzte Stück ist ein Schotterweg; ein normaler Pkw kommt durch, eben ist die Piste aber nicht. Kennst du die Gegend nicht, ordnet unser kompletter Sabinillas-Guide die örtlichen Straßen und Wahrzeichen ein.
Es gibt einen ausgewiesenen Parkplatz. Von dort sind es rund 500 Meter zu Fuß bis zu den Quellen.
Besuch & Bedingungen
Die Freiluftbecken und der Fluss sind kostenlos und ohne Begrenzung zugänglich; du kannst jederzeit hineinwaten und baden (Badesachen mitbringen). Dank der Quellen ist das Wasser das ganze Jahr über spürbar warm. Der Geruch ist intensiv; die einen finden ihn heilsam, die anderen abstoßend. Das Wasser selbst ist klar und mineralreich.
Daneben steht ein historischer römischer Kuppelbau, den man besichtigen kann. In der Hochsaison (etwa Ende Juni bis Anfang September) brauchst du dafür aber eine kostenlose Voranmeldung: über das Fremdenverkehrsamt von Casares (+34 952 89 55 21) oder die Eventbrite-Seite der Gemeinde. Außerhalb dieser Zeit geht es meist ohne Reservierung. Die Kuppelbesuche laufen in kleinen Gruppen und dauern etwa eine Stunde.
Das Ganze ist herrlich unaufgeregt. Keine Strandbude, keine Verkäufer, keine Influencer mit Ringlicht. Nur alte Quellen, natürliche Becken und das Rauschen des Wassers.
Für Familien: Die Freiluftbecken sind flach genug für Kinder, das Wasser angenehm warm. Aufsicht ist Pflicht, einen Rettungsschwimmer gibt es nicht. Pack genug Trinkwasser und Snacks ein; in der Nähe kannst du nichts kaufen.
Casares Costa oder Casares Pueblo? Der Unterschied
Der Name Casares meint zwei sehr verschiedene Orte, und das sorgt regelmäßig für Verwirrung. Casares Costa ist die Küstenbebauung zwischen Estepona und Manilva: Resort-Villen, Golfplätze, Neubauprojekte. Moderne Immobilienwelt, schön zum Wohnen, aber ohne historischen Kern.
Casares Pueblo, das Dorf Casares, ist das, was diesen Artikel füllt: das alte weiße Bergdorf mit Burg. Beide gehören zur selben Gemeinde, sind aber zwei Paar Schuhe. Das pueblo hat Charme, Geschichte und Echtheit. Die costa hat Strände und moderne Annehmlichkeiten.
Wer Casares zum ersten Mal besucht, fährt ins pueblo. Es ist ungleich spannender. Tippst du das Ziel ins Navi, gib „Casares Pueblo" oder „Plaza de España, Casares" ein, sonst landest du am Golfplatz an der Küste statt im Bergdorf.
Casares mit anderen weißen Dörfern verbinden
Casares allein füllt einen halben bis ganzen Tag. Wer mehr von Andalusiens pueblos blancos sehen will, nutzt es aber gut als Startpunkt für eine kleine Dörfer-Runde. Drei Ziele liegen nah:
- Gaucín liegt rund 30 Minuten weiter in den Bergen, mit eigener Burgruine und einem noch weiteren Blick bis Gibraltar und Afrika.
- Genalguacil ist das „Museumsdorf": überall in den Gassen stehen Kunstwerke, die ein zweijährliches Bildhauer-Festival hinterlassen hat.
- Jimena de la Frontera, schon in der Provinz Cádiz, krönt eine maurisch-christliche Burg auf einem Hügel über dem Río Hozgarganta.
Alle drei erreichst du in 30 bis 50 Minuten Fahrt, und die Bergstraßen dazwischen sind selbst das halbe Erlebnis. Eng, kurvig, mit ständig neuen Ausblicken. Wer die ganze Route plant, findet im Tagesausflug zu den weißen Dörfern Andalusiens eine sinnvolle Reihenfolge und mehr Detail zu jedem Ort.
Praktische Informationen
| Detail | Information |
|---|---|
| Entfernung von Sabinillas | ~15 km, 15-20 Minuten mit dem Auto |
| Mit dem Bus | Avanza L-77, nur Di-Sa, ~2 Fahrten/Tag, ~1 Std. ab Estepona, 2,52 € |
| Parken | Wenige Plätze in Dorfnähe; komm früh oder am frühen Nachmittag |
| Burgeintritt | Kostenlos, rund um die Uhr geöffnet |
| Beste Reisezeit | Frühling (März-Mai) oder Herbst (September-November); milde Temperaturen, klares Licht |
| Dauer | 2-4 Stunden für das Dorf; plus 1-2 Stunden für die Baños de la Hedionda |
| Schwierigkeit | Steile Kopfsteinpflastergassen; bequeme Schuhe sind Pflicht |
| Einrichtungen | Bars, Cafés, Restaurants; kein Supermarkt im pueblo selbst |
| Touristeninformation | Calle Carrera 51 (Casa Natal de Blas Infante); +34 952 89 55 21 |
| Barrierefreiheit | Steile Gassen; mit Kinderwagen oder eingeschränkter Mobilität schwierig |
Deinen Tagesausflug nach Casares planen
Der runde Tagesausflug verbindet das Dorf (2 bis 3 Stunden) mit den Baños de la Hedionda (1 bis 2 Stunden). Komm gegen 10 bis 11 Uhr in Casares an, lauf über Mittag durch die Gassen und hinauf zur Burg, iss in Ruhe in einem Dorfrestaurant und fahr am frühen Nachmittag weiter zu den Bädern für ein Bad im Mineralwasser.
Auf dem Rückweg nach Sabinillas bekommst du die ganze Bandbreite der Landschaft mit: Berg, Tal, Küste. So fügt sich das Bild zusammen: Du bist an einem einzigen Tag durch Geschichte und Geografie der westlichen Costa del Sol gefahren. Mehr Hintergrund zur Region liefert unser kompletter Sabinillas-Guide, der Casares in die Umgebung einordnet.
Sportlich? Die Hügel rund um Casares bieten gute Wanderrouten in der Sierra Bermeja, dasselbe Bergland, das du von der Burg aus siehst.
Wer in unserem Apartment am Strand in Sabinillas wohnt, hat es zur Burg besonders leicht: gegen 10 Uhr losfahren, zum Abendessen zurück sein. Hast du kein Auto dabei, verweist dich unsere kostenlose Mietwagen-Empfehlung an eine zuverlässige lokale Agentur, damit du in deinem eigenen Tempo die Dörfer und Talrestaurants abklappern kannst.
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